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Irrtum 5,8 – Trümmer von L´Aquila ~ Sara More

 

Taschenbuch: 552 Seiten
Verlag: Fact-Fiction-Verlag
Deutsche Erstveröffentlichung: 6. April 2014
ISBN: 978-3945194003
Preis 14,95 Euro

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Zunächst möchte ich gern zu dem für mich neuen Genre „Fact-Fiction“ eine Kleinigkeit sagen. Ich kannte diese Art Roman bisher noch nicht und es hat mir sehr gut gefallen, dass die wahren Hintergründe in Form von Zeitungsberichten mit Quellenangabe hier kursiv dargestellt waren. So kam man nicht durcheinander mit den Erzählsträngen des Romans welche die Autorin rund um die belegten Dinge gestrickt hat. Aber auch die fiktiven Dinge hier hätten sich genau so abspielen können. Daran merkte ich als Leserin wie unglaublich gut recherchiert dieses Buch ist.

Beigefügt war dem Roman, den ich im Zuge einer leserunde auf Lovelybooks bekommen habe, auch eine Karte der Autorin mit zwei Fotos aus dem Jahr 2013, die beweisen, dass auch nach 4 beziehungsweise inzwischen 5 Jahren noch lange nicht alles wieder in Ordnung ist für die Anwohner.

20140626_112825_AndroidIm Roman gibt es zwei Hauptfiguren, Karina und Viola haben völlig Unterschiedliche Leben, doch das Unglück bringt beide zusammen. Karina kommt aus Deutschland und will in Italien endlich von ihrem Vater loskommen und auf eigenen Beinen stehen. Die Tatsache, dass Daddy immer genügend Geld beisteuert erleichtert das ganze natürlich ungemein. Karina ist oberflächlich und der Meinung es stehe immer alles im Überfluss zur Verfügung. Die Protagonistin Karina ist mir stellenweise auch auf die Nerven gegangen als sie mitten im Katastrophengebiet nach vegetarischem Essen verlangt zum Beispiel. Oft dachte ich mir: siehst du das denn nicht? schau dich mal um! Ihre Reaktionen waren mir nicht immer schlüssig.
Viola lebt mit Ihrer Familie in einem kleinen Haus und es plagen die Familie Geldnöte. Es muss gespart werden und der gemeinsame Urlaub fällt kleiner aus als geplant. Eine Erdbebenserie erschüttert die Abruzzen und alle Bewohner machen sich Sorgen. Doch dann geben die Machthaber Entwarnung und alle atmen auf. Viola beschließt mit ihrer Familie im Haus zu schlafen.

Der 6. April um 3:32 Uhr geht in die Geschichte der Naturkatastrophen ein. Ein Erdbeben erschüttert L´Aquila und kostet viele Menschen das Leben. Die Häuser sind für die Überlebenden unbewohnbar. Ich habe mich natürlich noch an das Unglück erinnert, aber viele Fakten waren mir einfach nicht mehr im Gedächtnis und sind in der heutigen Nachrichtenflut untergegangen. Der Roman hat mir das alles wieder vor Augen geführt.

Der Schreibstil der Autorin transportiert die Empfindungen der Betroffenen wirklich gut, sodass ich teilweise Tränen in den Augen hatte. Ich war fassungslos wie die Machthaber mit dem Vertrauen der Leute umgegangen sind. Und dieses Buch trägt  dazu bei, dass dies nicht vergessen geht. Ich muss hier auch den Mut der Autorin bewundern, die dieses Buch unter einem Pseudonym geschrieben hat, da diese enthüllenden Fakten der Regierung natürlich alles andere als Recht sein dürften. Erschrocken war ich auch, dass noch längst nicht alles wieder aufgebaut ist nach 5 Jahren und die Menschen noch in Übergangshäusern leben, die schnell hochgezogen wurden. Viele sind auch weg gezogen, weil sie ihre Zukunft nicht mehr in ihrem Heimatort sehen.

Auch der Anhang verdient separate Erwähnung. Hier ist ein Brief von Giustino Parisse, dem Lokaljounalisten von Onna, angefügt. Diesen schreibt er an die Familie, die er verloren hat und er schreibt jedes Jahr einen solchen Brief. Ich war so gerührt von seinen Worten und von seiner Trauer war ich tief getroffen. Ich bin sehr dankbar, dass er einer Veröffentlichung des Briefes zugestimmt hat und seine Emotionen so mit den Lesern geteilt hat.

Mein Fazit zu dem Buch lautet: ihr Lieben lest es, damit die Opfer nicht vergessen werden. Ich habe jetzt soviele neue Fakten im Kopf, die vorher einfach nicht da waren. Dafür Danke ich der Autorin hier nochmal.

Ich vergebe hier: ★★★★☆

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